Laufende Projekte
Countering Polarization: The Borda count as a basis for proportional representation
In vielen europäischen Ländern nehmen politische Polarisierung und die Zersplitterung von Parteiensystemen zu. Gleichzeitig gewinnen neue Parteien am rechten und linken Rand an Bedeutung. Als Ursachen gelten die stärkere Verknüpfung politischer und sozialer Identitäten sowie mediale Echokammern. Wenig beachtet ist bislang, dass Verhältniswahlsysteme selbst solche Entwicklungen begünstigen können. Obwohl sie Minderheiten repräsentieren, eine hohe Übereinstimmung zwischen Wählenden und Politik ermöglichen und konsensorientierte Koalitionen fördern, setzen sie für benachteiligte Parteien Anreize, stärker polarisierende Positionen einzunehmen. Das erschwert Koalitionsbildungen und verstärkt gesellschaftliche Spannungen. Das Forschungsprojekt entwickelt daher ein modifiziertes Verhältniswahlsystem auf Basis der sogenannten Borda-Methode. Dabei geben Wählende nicht nur eine Stimme ab, sondern ordnen ihre Präferenzen. Ziel ist es, extreme Strategien unattraktiver zu machen und gleichzeitig Wahlergebnisse zu erzielen, die die politischen Präferenzen der Bevölkerung möglichst genau widerspiegeln. Das Projekt untersucht systematisch, wie ein solches Verfahren funktioniert und welchen Beitrag es zu stabileren, weniger polarisierenden demokratischen Systemen leisten kann.
Antragstellerin
Jun. Prof. Dr. Anna-Sophie Kurella, Leibniz Universität Hannover
Forschungsförderer
Deutsche Forschungsgemeinschaft (2026-2028)
Mitarbeiter
Abgeschlossene Projekte
Die Entwicklung von Politikräumen in Mehrparteiensystemen
Die Entwicklung von Politikräumen wurde für das US-amerikanische Mehrheitssystem eingehend untersucht. In Mehrparteiensystemen ist die Wettbewerbssituation jedoch komplexer. Wir wissen noch wenig darüber, wie die Entwicklung von Politikräumen in Mehrparteiensystemen funktioniert. Das Projekt soll an dieser Lücke ansetzen, indem es des Erstarkens von Einwanderung als politische Streitfrage untersucht, und fragt, inwieweit dies auf ein taktisches Manöver rechtsradikaler Parteien zurückzuführen ist. In Anknüpfung an die Literatur zur Issue Evolution wird das Projekt untersuchen, wann und warum neue Themen auftauchen und so salient werden, dass dies zu einer Umstrukturierung des Politikraums führt. Es soll dabei in zweierlei Hinsicht zum aktuellen Wissensstand beitragen: Erstens soll ein theoretischer Beitrag geleistet werden. Dies geschieht durch die Formulierung eines Wettbewerbsmodells, welches sowohl Positionswechsel als auch Themenbetonung als Handlungsoptionen der Parteien beinhaltet. Zweitens wird ein empirischer Beitrag geleistet, indem die beobachtbaren Implikationen des Modells mit empirischen Daten überprüft werden.
Antragstellerin
Jun. Prof. Dr. Anna-Sophie Kurella, Leibniz Universität Hannover
Forschungsförderer
Deutsche Forschungsgemeinschaft (2021-2025)